JEDEM KRÜPPEL SEINEN KNÜPPEL.
Ja, auch heute, 45 Jahre nach dem Start des Jahres der Behinderer. Vielleicht mehr als je zuvor.
Wir als Behindertenbewegung müssen wieder radikaler werden. Lauter. Unverschämter.
Wir alle müssten jeden Ableismus stärker kontern und jedes hohle Versprechen klar benennen, wie es z.B. das einzelne Heldy das letztes Jahr beim Global Disability Summit in Berlin während der Rede des damaligen Bundeskanzlers tat.
Casey
in reply to Casey • • •Es ist viel passiert in den letzten 45 Jahren.
Ich war in Rheinland-Pfalz das erste Kind, das an meiner Grundschule nach einer freien Entscheidung meiner Eltern aufgenommen und inklusiv beschult werden durfte.
Mitte der 2000er.
Aktion Sorgenkind heißt jetzt Aktion Mensch. Sonst ändert sich nix.
Ende der 90er.
Art. 3 Grundgesetz wurde um behinderte Menschen erweitert.
In den 80ern.
Casey
in reply to Casey • • •Das sind alles schöne Erfolge auf dem Papier, und auch die Gesellschaft scheint immer mehr die Diskriminierung von Behinderten abzulehnen.
Aber große, wirklich strukturelle Reformen hat es nie gegeben in den letzten 45 Jahren. Im Gegenteil.
Die letzte große „Protestwelle“ gab es vor ein paar Jahren unter „#NoIPReG“, seit unter Gesundheitsminister Spahn Behinderte mit Intensivpflege aus ihren privaten Wohnräumen in sog. „besondere Wohnformen“ gezwungen werden können.
Casey
in reply to Casey • • •Stattdessen sind wir hier im Fedi und wenn jemand sagt „Ey, mach Alternativtext, dann können Blinde teilhaben“ sind oft andere Leute wie „Juckt mich nicht hahaha ich block dich jetzt“ oder wenn wir irgendwie anders frech sind, kommt sofort die Tonpolizei um die Ecke und sagt uns, wir sollen das doch bitte freundlicher formulieren, denn nur so würde man uns ernst nehmen.
Die Zeit für freundlich ist vorbei.
Casey
in reply to Casey • • •Wir haben derzeit keine aggressive Vertretung mehr, die Utopien für das Leben mit Behinderung zeichnet. Wir leben in Zeiten, in denen die Vorsitzenden der größten Selbstvertretungsverbände keine Probleme mit dem Behindertenbeauftragten der Bundesregierung haben, der selbst nur ein Token ist, weil „wir kennen ihn, er kennt uns, wir können arbeiten“.
Wer erzählt uns von den virtuosen, blinden Sterneköchen? Von den rollstuhlnutzenden Mechaniker*innen? Von den tauben Richter*innen?
Casey
in reply to Casey • • •Wer erzählt uns von den Kindern mit Trisomie 21, die nicht abgetrieben werden? Von den ME/CFS-Patient*innen, deren Krankheit endlich sinnvoll erforscht und geheilt wird? Von den Autist*innen, die in der Gesellschaft ohne zu maskieren existieren können?
Niemand tuts. Und warum? Weil das System uns überhaupt nicht die Gelegenheit dazu gibt.
Als ich das letzte Mal hier von blinden Sterneköchen sprach, sind darunter andere Blinde geslided, die sagten, das wäre unmöglich.
Casey
in reply to Casey • • •Auch in der digitalen Barrierefreiheitsarbeit höre ich immer wieder „vollständige Barrierefreiheit ist nicht möglich“.
Ja, wenn man das denkt und nicht über den eigenen Tellerrand und die gegebenen systemischen Möglichkeiten hinaus blickt, dann kann das nix werden.
Der Faschismus ist da, und er drängt uns schon jetzt wieder aus der öffentlichen Wahrnehmung.
Wo „letzte Generation Behinderte“? Wo „linke“ Gruppen, die das auf dem Schirm haben?
Alerta, alerta!