Die Barrierefreiheits-Branche findet sich gerade mal wieder ganz toll, weil sich eine Prüf-Organisation dazu entschieden hat, ihr Siegel nicht mehr an Websites zu vergeben, die automatisierte Techniken zur Herstellung von digitaler Zugänglichkeit von Drittfirmen, sogenannte „Overlays“, einbinden. In Anbetracht der Tatsache, dass solche Tools Unfug sind und in der Regel sogar neue Barrieren hinzufügen, ist das sehr gut und konsequent.
Aaaaber…
Casey
in reply to Casey • • •Bei der Organisation handelt es sich um „BIK“. Das ist ein Prüfverbund, bestehend aus mehreren einzelnen Firmen, der sich über viele Jahre einen „offiziellen“ Anstrich gegeben hat, weil man früher für einige Zeit vom Bund gefördert wurde. Sie sind aber nicht offiziell.
Nachdem die staatlichen Überwachungsstellen und viele Behindertenorganisationen wie der DBSV von solchen „Overlays“ abgeraten haben, meinen mehrere Leute jetzt, der Move von BIK würde diese Kritiken offiziell machen.
Casey
in reply to Casey • • •Es mag auf den ersten Blick nur so aussehen, als wären die Leute, die das behaupten, schlicht uninformiert. Aber ich behaupte ganz frech: Diese Positionierung von BIK als „offiziell staatlich“ ohne es zu sein, hat System — und hemmt den Wettbewerb zu digitaler Barrierefreiheit ganz massiv.
So oft wie mir untergekommen ist, dass Leute z.B. meine eigenen Dienstleistungen und mögliche Zertifizierungen als weniger wertig und weniger offiziell fundiert betrachten, bleibt mir gar nix anderes übrig.
Casey
in reply to Casey • • •Jede dieser Aussagen zementiert dieses falsche Image ein bisschen weiter — und schadet dabei nicht nur, aber ganz besonders vielen Tester*innen und Consultants mit Behinderung. Dass ein großer Teil der an BIK Beteiligten nichtbehindert ist und deren Prüfverfahren einige Sachen inkorrekt oder unzureichend testet, geschenkt.
Aber ich habe auch Kritik an der Positionierung gegen die sogenannten Overlays an sich, obwohl ich sie zuerst gelobt hab.
Casey
in reply to Casey • • •Ich habe noch keins dieser Overlays erlebt, das man nicht nach den Prüfkriterien der Web Content Accessibility Guidelines, die die Grundlage für den EU-Standard sind, ebenfalls automatisch „erwischt“ und mit „nicht bestanden“ bewerten könnte. Und damit natürlich auch die Einstufung eines Angebots als nicht gesetzeskonform erzwingt.
Es wirkt auf mich wie eine reine wirtschaftliche Maßnahme, nicht mit Anbietern solcher Overlays in Verbindung gebracht zu werden, statt wirklich dafür zu stehen.
Casey
in reply to Casey • • •Casey
in reply to Casey • • •Also was tun?
Ich denke, das ist ganz einfach — aber das würde erfordern, dass BIK seine Geschäftspraktiken ändert und aufhört, Tests und Audits ohne eingehende Beratung zu verkaufen. Das bindet mehr Ressourcen, klar, damit lässt sich insgesamt weniger Geld verdienen als mit Zertifizierungen, auch klar, das wirkt dann nicht mehr wie eine offizielle oder offiziell genehmigte Dienstleistung, superklar.
Aber es würde den Quatsch effektiv abfangen und verhindern.